DEKRA-geprüfter Bausachverständiger für Erlangen
Schimmel & Feuchtigkeit 18.03.2026 · Jörg Aichinger
Aufsteigende Feuchtigkeit: Ursachen und Abdichtung

Das Wichtigste in Kürze:

  • Aufsteigende Feuchtigkeit entsteht, wenn Bodenfeuchtigkeit durch Kapillarkräfte im Mauerwerk nach oben wandert.
  • Hauptursache ist eine fehlende oder defekte Horizontalsperre, die bei Gebäuden vor 1960 häufig vorkommt.
  • Typische Anzeichen: Salzausblühungen, abplatzender Putz, Feuchtezonen bis etwa einen Meter über Geländeoberkante, muffiger Geruch.
  • In Erlangen sind besonders die Sandsteinhäuser der barocken Planstadt (ab 1686) und Gebäude in Regnitz-nahen Lagen betroffen.
  • Nachträgliche Horizontalsperren per Injektion sind das Standardverfahren. Die Trocknung des Mauerwerks dauert danach Monate bis Jahre.

Aufsteigende Feuchtigkeit ist eine der häufigsten Schadensursachen an Altbauten. Das Wasser steigt durch Kapillarkräfte im Mauerwerk auf und durchfeuchtet Wände von innen. Die Folgen reichen von Salzausblühungen über Putzschäden bis zu Schimmelbildung. Für Erlangen ist dieses Problem besonders relevant: Die barocken Hugenottenhäuser wurden ohne Feuchtigkeitssperre errichtet, und die Lage im Regnitztal sorgt für einen hohen Grundwasserspiegel.

Wie entsteht aufsteigende Feuchtigkeit?

Mauerwerk aus Ziegel, Sandstein oder Naturstein ist porös. Die feinen Poren im Material wirken wie Kapillarröhrchen und saugen Bodenfeuchtigkeit nach oben. Je feiner die Poren, desto höher steigt das Wasser. Bei Sandstein kann die kapillare Steighöhe mehrere Meter betragen.

In modernen Gebäuden unterbricht eine Horizontalsperre diesen Kapillartransport. Das ist eine wasserundurchlässige Schicht (Bitumenbahn, Edelstahlblech oder Kunststofffolie) im unteren Mauerwerksbereich, knapp über Geländeoberkante. Bei Gebäuden vor 1960 fehlt diese Sperre häufig oder ist im Laufe der Jahrzehnte brüchig geworden.

Ohne funktionierende Horizontalsperre zieht Bodenfeuchtigkeit kontinuierlich in die Wand ein. Das Wasser transportiert gelöste Salze aus dem Erdreich mit nach oben. An der Wandoberfläche verdunstet das Wasser, die Salze kristallisieren aus und sprengen den Putz ab. Dieser Kreislauf wiederholt sich endlos und zerstört das Mauerwerk von innen.

Woran erkenne ich aufsteigende Feuchtigkeit?

Die Symptome sind charakteristisch und von anderen Feuchtigkeitsursachen gut unterscheidbar.

Typische Anzeichen:

  • Feuchtezonen an der Wand, die von unten nach oben abnehmen. Die Grenze liegt meist bei 50 bis 120 Zentimetern über Fußboden.
  • Weiße oder gelbliche Salzausblühungen auf der Wandoberfläche. Die Salze fühlen sich kristallin oder mehlig an.
  • Abplatzender, blasiger oder mürber Putz im unteren Wandbereich.
  • Dunkle Verfärbungen oder Feuchtränder mit wellenförmiger Oberkante.
  • Muffiger Geruch im Raum, besonders bei geschlossenen Fenstern.
  • Schimmelbildung in Bodennähe an Außen- und Innenwänden.

Abgrenzung zu anderen Ursachen: Aufsteigende Feuchtigkeit beginnt immer bodennah und nimmt nach oben ab. Seitlich eindringendes Wasser (defekte Außenabdichtung) zeigt sich dagegen eher im Kellerbereich mit unregelmäßiger Verteilung. Kondenswasser tritt an den kältesten Stellen auf (Ecken, Fensterlaibungen), nicht zwingend bodennah.

Auf unserer Seite zur Beratung bei Feuchteschäden erfahren Sie, wie eine fachliche Untersuchung abläuft.

Welche Gebäude für Erlangen sind besonders betroffen?

Aufsteigende Feuchtigkeit betrifft für Erlangen vor allem drei Gebäudegruppen.

Barocke Hugenottenhäuser der Planstadt

Die Neustadt wurde ab 1686 als Hugenottenstadt systematisch angelegt. Die traufständigen, zwei- bis dreigeschossigen Häuser haben Sandsteinmauerwerk mit Lehmfugen. Sandstein hat eine besonders hohe Kapillarwirkung. Die feinen Poren saugen Bodenfeuchtigkeit effektiv auf. Horizontalsperren waren zum Bauzeitpunkt unbekannt. Viele dieser Gebäude zeigen im Erdgeschoss die klassischen Symptome: Salzausblühungen an den Sandsteinfassaden, abblätternder Putz innen und ein dauerhaft feuchtes Raumklima in den Erdgeschossräumen.

Gebäude in Regnitz-nahen Lagen

Die Regnitz teilt Erlangen in zwei Hälften. In den Stadtteilen entlang des Flusses liegt der Grundwasserspiegel nur wenige Meter unter Geländeoberkante. Bei Hochwasser oder nach Starkregen kann das Grundwasser zeitweise bis auf Fundamenthöhe steigen. In diesen Lagen haben auch jüngere Gebäude Probleme mit aufsteigender Feuchtigkeit, wenn die Abdichtung der Bodenplatte oder der Fundamentmauern mangelhaft ist.

Nachkriegsbauten der 1950er und 1960er Jahre

In Büchenbach und den westlichen Wohngebieten stehen zahlreiche Gebäude aus der Nachkriegszeit. Die Horizontalsperren dieser Baujahre bestanden oft aus einfachen Teerpappe-Bahnen, die nach 60 bis 70 Jahren brüchig geworden sind. Die Wirkung der Sperre lässt nach, und Bodenfeuchtigkeit steigt wieder in das Mauerwerk auf.

Kontaktieren Sie uns für eine Feuchtemessung und Schadensanalyse für Erlangen.

Wie wird aufsteigende Feuchtigkeit saniert?

Die einzig dauerhafte Lösung ist das Einbringen einer nachträglichen Horizontalsperre. Alle anderen Maßnahmen (Sanierputz, Entfeuchtungsgeräte, Aufheizen) behandeln nur die Symptome.

Injektionsverfahren

Das Standardverfahren für nachträgliche Horizontalsperren. Bohrlöcher werden im Abstand von 10 bis 15 Zentimetern in einer Reihe knapp über Geländeoberkante gesetzt. Ein Injektionsmittel (Silikonharz, Epoxidharz oder Silikonmikroemulsion) wird drucklos oder unter leichtem Druck eingefüllt. Das Mittel breitet sich in den Kapillaren aus und verschließt sie dauerhaft.

Für Erlanger Sandsteinmauerwerk eignet sich Silikonmikroemulsion am besten, da sie auch feine Poren abdichtet. Bei Lehmfugen (typisch für Barockhäuser) muss die Bohrlochreihe sorgfältig geplant werden, weil Lehm das Injektionsmittel ungleichmäßig aufnimmt.

Mauersägeverfahren

Das Mauerwerk wird abschnittsweise horizontal durchgesägt. In den Schnitt wird eine Edelstahlplatte oder Kunststofffolie eingelegt. Dieses Verfahren ist sehr zuverlässig, aber aufwendiger und teurer. Bei denkmalgeschützten Gebäuden (viele Barockhäuser stehen unter Schutz) ist es oft nicht genehmigungsfähig.

Rammverfahren

Edelstahlbleche werden in durchgehende Mörtelfugen eingeschlagen. Nur möglich bei regelmäßigem Mauerwerk mit durchgehenden Lagerfugen. Bei Bruchstein- oder Natursteinmauerwerk nicht anwendbar.

Ergänzende Maßnahmen

Nach dem Einbringen der Horizontalsperre muss das Mauerwerk trocknen. Das kann je nach Wanddicke und Durchfeuchtungsgrad Monate bis Jahre dauern. Erst danach wird der geschädigte Putz entfernt und durch Sanierputz ersetzt. Sanierputz hat eine hohe Porosität und ermöglicht eine kontrollierte Verdunstung der Restfeuchtigkeit, ohne dass Salze die Oberfläche beschädigen.

Weitere Informationen zu Sanierungsverfahren finden Sie auf unserer Seite zur Sanierungsberatung. Einen Überblick über Schadensarten gibt unsere Seite zur Bewertung von Bauschäden.

Was kostet die Sanierung aufsteigender Feuchtigkeit?

Die Kosten hängen von der Wandlänge, der Mauerwerksdicke, dem Verfahren und dem Zustand des Bestandsputzes ab. Eine pauschale Angabe ist nicht seriös. Grundsätzlich gilt: Das Injektionsverfahren ist günstiger als das Mauersägeverfahren. Der Sanierputz und die Trocknungszeit kommen als Folgekosten hinzu.

Vor Beginn der Sanierung sollte ein Sachverständiger den Zustand des Mauerwerks, die Feuchtigkeitsverteilung und die vorhandene Bausubstanz dokumentieren. Auf dieser Grundlage lässt sich das geeignete Verfahren auswählen und eine realistische Kosteneinschätzung erstellen. Informationen dazu finden Sie auf unserer Kostenseite.

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Häufige Fragen

Wie hoch steigt Feuchtigkeit im Mauerwerk auf?

Das hängt vom Material ab. In Ziegelmauerwerk steigt die Feuchtigkeit typischerweise 50 bis 100 Zentimeter auf. In Sandstein kann die kapillare Steighöhe deutlich höher liegen, weil die Poren feiner sind.

Kann ich aufsteigende Feuchtigkeit mit einem Entfeuchtungsgerät bekämpfen?

Ein Entfeuchtungsgerät senkt die Raumluftfeuchtigkeit, beseitigt aber nicht die Ursache. Das Mauerwerk bleibt feucht. Elektroosmose-Geräte, die eine Umkehr des Kapillartransports versprechen, sind wissenschaftlich umstritten und in der Praxis selten wirksam.

Reicht ein neuer Putz als Sanierung?

Nein. Ohne Horizontalsperre wird auch neuer Putz von der aufsteigenden Feuchtigkeit und den Salzen zerstört. Sanierputz verlängert die Standzeit, löst aber das Grundproblem nicht.

Wie lange hält eine nachträgliche Horizontalsperre?

Injektionsverfahren halten 20 bis 30 Jahre. Mechanische Sperren (Edelstahlbleche, Kunststofffolien) halten dauerhaft, sind aber aufwendiger einzubauen.

Ist das Injektionsverfahren bei Denkmalschutz erlaubt?

In der Regel ja. Die Injektion verändert den Baukörper nicht sichtbar. Das Mauersägeverfahren wird bei denkmalgeschützten Gebäuden dagegen oft abgelehnt, weil es in die Substanz eingreift.

Wie lange dauert die Trocknung nach einer Horizontalsperre?

Je nach Wanddicke und Durchfeuchtung 6 bis 24 Monate. Dickere Wände (Sandstein-Vollmauerwerk in Barockhäusern: oft 60 bis 80 Zentimeter) brauchen entsprechend länger. Technische Trocknung kann den Prozess beschleunigen.

Schadet aufsteigende Feuchtigkeit der Gesundheit?

Ja. Dauerhaft feuchte Wände fördern Schimmelbildung. Schimmelpilzsporen können Atemwegserkrankungen und Allergien auslösen. Außerdem verschlechtert die erhöhte Luftfeuchtigkeit das Raumklima und erhöht den Heizenergiebedarf.

Kann ich aufsteigende Feuchtigkeit selbst diagnostizieren?

Die typischen Symptome (Salzausblühungen, abplatzender Putz, bodennahe Feuchtezonen) können Sie selbst erkennen. Ob tatsächlich aufsteigende Feuchtigkeit die Ursache ist oder eine andere Feuchtigkeitsquelle vorliegt, sollte ein Sachverständiger durch Feuchtemessung klären.

Aufsteigende Feuchtigkeit professionell analysieren lassen: Rufen Sie uns an unter 0921 163 932 51 oder nutzen Sie unser Kontaktformular. Als DEKRA-zertifizierter Sachverständiger untersuchen wir die Schadensursache für Erlangen und empfehlen das passende Sanierungsverfahren.

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