Das Wichtigste in Kürze:
- Die professionelle Bautrocknung nach einem Wasserschaden verhindert Folgeschäden wie Schimmel und Substanzverlust
- Kondensationstrockner, Adsorptionstrockner und Infrarotplatten kommen je nach Schadensbild zum Einsatz
- Die Trocknungsdauer beträgt je nach Bauteil und Durchfeuchtung zwei bis zwölf Wochen
- Die Gebäudeversicherung übernimmt die Trocknungskosten bei versicherten Leitungswasserschäden
- Ohne fachgerechte Trocknung kann Restfeuchte im Estrich oder Mauerwerk monatelang Schimmelbildung begünstigen
Eine Bautrocknung nach Wasserschaden ist keine Maßnahme, die sich aufschieben lässt. Je schneller die Trocknung beginnt, desto geringer fallen die Folgeschäden aus. Für Erlangen betrifft das sowohl Leitungswasserschäden in den Wohngebieten als auch Hochwasserereignisse an der Regnitz, die Keller und Erdgeschosse durchnässen können.
Was passiert, wenn nach einem Wasserschaden nicht getrocknet wird?
Wasser, das in Bauteile eindringt, verschwindet nicht von selbst. Estrich, Mauerwerk, Dämmschichten und Holzbalkendecken speichern Feuchtigkeit über Monate. Die Folgen zeigen sich zeitverzögert.
Schimmelbildung ist die häufigste Konsequenz. Bereits bei einer relativen Luftfeuchtigkeit von über 70 Prozent an der Bauteiloberfläche beginnen Schimmelpilze zu wachsen. In durchfeuchteten Estrichschichten bildet sich Schimmel unsichtbar unter dem Bodenbelag. Salzausblühungen entstehen, wenn das Wasser Mineralien aus dem Mauerwerk löst und an der Oberfläche auskristallisiert. Die Kristalle sprengen den Putz. Holzfäule setzt ein, wenn tragende Holzbauteile über längere Zeit feucht bleiben. Bei Holzbalkendecken, die in älteren Erlanger Gebäuden häufig vorkommen, kann das die Tragfähigkeit gefährden.
Mehr zu Schimmel nach Wasserschäden erfahren Sie auf unserer Seite zur Feuchteschadenberatung.
Welche Trocknungsverfahren gibt es?
Die Wahl des Verfahrens richtet sich nach dem betroffenen Bauteil, dem Grad der Durchfeuchtung und den Raumverhältnissen.
Kondensationstrockner sind die am häufigsten eingesetzten Geräte. Sie entziehen der Raumluft Feuchtigkeit, indem sie diese über ein gekühltes Kühlaggregat leiten. Der Wasserdampf kondensiert und wird in einem Behälter gesammelt oder über einen Schlauch abgeleitet. Kondensationstrockner arbeiten am effizientesten bei Raumtemperaturen zwischen 15 und 30 Grad Celsius. Unter 10 Grad sinkt ihre Leistung deutlich.
Adsorptionstrockner arbeiten mit einem Trockenmittel (meist Silikagel), das Feuchtigkeit aus der Luft bindet. Sie funktionieren auch bei niedrigen Temperaturen und eignen sich deshalb für unbeheizte Keller und Rohbauten. Allerdings verbrauchen sie mehr Energie als Kondensationstrockner.
Infrarotplatten werden direkt auf die feuchte Wand gestellt. Sie erwärmen das Mauerwerk von innen nach außen und treiben die Feuchtigkeit zur Wandoberfläche. Von dort verdunstet sie in den Raum, wo ein Luftentfeuchter sie aufnimmt. Infrarottrocknung eignet sich besonders für dicke Massivwände, wie sie in den Sandsteinbauten der Erlanger Altstadt vorkommen.
Estrichtrocknung (Überdruck- oder Unterdruckverfahren) ist ein Sonderfall. Bei schwimmendem Estrich wird Luft über Bohrungen in den Hohlraum unter dem Estrich geblasen (Überdruck) oder abgesaugt (Unterdruck). Die feuchte Luft wird im Raum von Entfeuchtern aufgenommen. Ohne dieses Verfahren trocknet ein durchnässter Estrich praktisch nicht aus, weil die Feuchtigkeit im geschlossenen Aufbau eingeschlossen ist.
Wie lange dauert die Bautrocknung?
Die Trocknungsdauer hängt von mehreren Faktoren ab: Bauteil, Wanddicke, Durchfeuchtungsgrad, Raumtemperatur und Verfahren.
Anhaltswerte für typische Schadensbilder: Ein durchnässter Zementestrich auf Dämmschicht benötigt bei fachgerechter Trocknung vier bis acht Wochen. Putzflächen an Innenwänden trocknen in zwei bis vier Wochen. Massivmauerwerk aus Sandstein, wie es in der Erlanger Neustadt verbreitet ist, braucht wegen seiner hohen Speicherfähigkeit sechs bis zwölf Wochen. Leichtbauwände aus Gipskarton sind in ein bis zwei Wochen trocken, sofern die Dämmung nicht durchnässt ist. Ist die Mineralwolldämmung im Ständerwerk vollgesogen, muss sie ausgebaut und ersetzt werden, da sie nicht wirtschaftlich zu trocknen ist.
Die Trocknungsfortschritte werden regelmäßig per Feuchtemessung kontrolliert. Die Trocknung gilt als abgeschlossen, wenn die Ausgleichsfeuchte des jeweiligen Baustoffs erreicht ist.
Für eine fachkundige Einschätzung Ihres Wasserschadens kontaktieren Sie uns. Wir dokumentieren den Schaden und begleiten die Sanierung.
Welche Sofortmaßnahmen sind nach einem Wasserschaden nötig?
Die ersten Stunden nach einem Wasserschaden sind entscheidend für das Ausmaß der Folgeschäden.
Schritt 1: Wasserquelle stoppen. Bei Leitungswasserschäden den Hauptabsperrhahn schließen. Bei Hochwasser abwarten, bis das Wasser zurückgeht.
Schritt 2: Stehendes Wasser entfernen. Schmutzwasserpumpe oder Nasssauger einsetzen. Je schneller das Wasser entfernt wird, desto weniger dringt in die Bausubstanz ein.
Schritt 3: Schadensmeldung. Die Gebäudeversicherung sofort informieren. Fotos und Videos als Beweissicherung anfertigen, bevor mit der Trocknung begonnen wird.
Schritt 4: Trocknungsfirma beauftragen. Eine zertifizierte Fachfirma stellt Trocknungsgeräte auf und überwacht den Fortschritt. Legen Sie nicht eigenmächtig los, ohne vorher den Schaden dokumentiert zu haben.
Wer übernimmt die Kosten der Bautrocknung?
Die Kostenfrage hängt von der Schadensursache ab.
Bei Leitungswasserschäden übernimmt in der Regel die Gebäudeversicherung die Trocknungskosten, einschließlich Gerätekosten, Stromverbrauch und begleitender Maßnahmen. Die Versicherung beauftragt häufig ein eigenes Sachverständigenbüro, das den Schaden begutachtet und die Maßnahmen freigibt.
Bei Hochwasser greift nur eine Elementarschadenversicherung, die als Zusatz zur Gebäudeversicherung abgeschlossen werden muss. Ohne diese Zusatzversicherung tragen Sie die Kosten selbst. Für Erlangen, wo Gebäude in Regnitznähe stehen, ist diese Absicherung besonders relevant.
Bei Baumängeln als Schadensursache (etwa eine undichte Dachdurchführung) haftet der Verursacher im Rahmen der Gewährleistung. Ein Sachverständiger dokumentiert den Mangel und sichert Ihre Ansprüche.
Unsere Schadensdokumentation stellt sicher, dass alle relevanten Befunde für die Versicherung oder für Gewährleistungsansprüche festgehalten werden.
Bautrocknung für Erlangen: Regnitz und historische Bausubstanz
Für Erlangen gibt es zwei typische Schadensszenarien, die eine Bautrocknung erfordern.
Das erste ist der Leitungswasserschaden in den Geschosswohnungsbauten der 1960er- bis 1980er-Jahre, wie sie in Büchenbach und anderen Neubaugebieten verbreitet sind. Veraltete Kupfer- oder Stahlrohre korrodieren nach Jahrzehnten. Das Wasser läuft oft unbemerkt in den schwimmenden Estrich und verteilt sich über die gesamte Geschossfläche.
Das zweite Szenario betrifft Hochwasser und Starkregen an der Regnitz. Keller und Erdgeschosse in flussnahen Lagen werden überflutet. Anders als bei Leitungswasser enthält Hochwasser Schlamm, Keime und Schadstoffe. Hier müssen vor der Trocknung erst die kontaminierten Materialien entfernt werden: durchnässte Dämmungen, aufgequollene Spanplatten, verschlammte Estrichdämmungen.
Die dickwandigen Sandsteinkeller der Erlanger Altstadt speichern bei Wassereintritt große Mengen Feuchtigkeit. Infrarottrocknung in Kombination mit Adsorptionstrocknern hat sich bei diesen Bauteilen bewährt, da die Feuchtigkeit tief im Mauerwerk sitzt und konventionelle Kondensationstrockner allein nicht ausreichen.
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Häufige Fragen
Kann ich nach einem Wasserschaden selbst trocknen?
Einzelne nasse Stellen an der Oberfläche können Sie mit Lüften und Heizen behandeln. Bei durchnässtem Estrich, Dämmschichten oder Mauerwerk reicht das nicht aus. Professionelle Trocknungsgeräte haben ein Vielfaches der Leistung von Haushaltsentfeuchtern.
Wie laut sind Trocknungsgeräte?
Kondensationstrockner erzeugen 45 bis 55 Dezibel, vergleichbar mit einem Kühlschrank. Adsorptionstrockner sind mit 55 bis 65 Dezibel lauter. In bewohnten Räumen kann die Geräuschbelastung störend sein, die Geräte laufen rund um die Uhr.
Muss ich während der Trocknung aus der Wohnung ausziehen?
Nicht zwingend. Bei kleineren Schäden in einzelnen Räumen können Sie die restliche Wohnung weiter nutzen. Bei großflächigen Schäden mit vielen Geräten ist das Wohnen allerdings stark eingeschränkt. Die Versicherung übernimmt in solchen Fällen oft die Kosten für eine Ersatzunterkunft.
Kann die Versicherung einen Sachverständigen ablehnen?
Die Versicherung kann einen eigenen Sachverständigen bestellen. Sie haben aber das Recht, einen eigenen, unabhängigen Sachverständigen hinzuzuziehen. Bei Streitigkeiten über die Schadenshöhe empfiehlt sich das dringend.
Wie erkenne ich, ob die Trocknung abgeschlossen ist?
Die Trocknung ist abgeschlossen, wenn die gemessene Restfeuchte die Ausgleichsfeuchte des jeweiligen Baustoffs erreicht hat. Bei Zementestrich liegt diese bei etwa 2 CM-Prozent, bei Anhydritestrich bei 0,5 CM-Prozent. Nur eine CM-Messung gibt verlässliche Werte.
Zahlt die Versicherung auch den Stromverbrauch der Trockner?
Ja. Bei versicherten Leitungswasserschäden gehören die Stromkosten der Trocknungsgeräte zum erstattungsfähigen Schaden. Dokumentieren Sie den Zählerstand zu Beginn und Ende der Trocknung.
Muss der Estrich nach einem Wasserschaden immer raus?
Nicht immer. Zementestrich kann in der Regel getrocknet werden. Bei Anhydritestrich (Calciumsulfat) besteht die Gefahr, dass er durch längere Wassereinwirkung seine Festigkeit verliert. Ein Sachverständiger beurteilt, ob der Estrich zu retten ist oder ersetzt werden muss.
Wasserschaden für Erlangen? Rufen Sie uns an unter 0921 163 932 51 oder nutzen Sie unser Kontaktformular. Als DEKRA-zertifizierter Bausachverständiger dokumentieren wir den Schaden, begleiten die Trocknung und sichern Ihre Ansprüche gegenüber der Versicherung.