DEKRA-geprüfter Bausachverständiger für Erlangen
Baumängel & Bauschäden 18.03.2026 · Jörg Aichinger
Fassadenschäden: Von Rissen bis Abplatzungen erkennen und bewerten

Das Wichtigste in Kürze:

  • Fassadenschäden reichen von harmlosen Haarrissen bis zu statisch relevanten Setzungsrissen.
  • Putzrisse, Abplatzungen und Frostschäden haben unterschiedliche Ursachen und erfordern unterschiedliche Sanierungsmaßnahmen.
  • Die Erlanger Barockfassaden aus Sandstein sind besonders anfällig für Verwitterung, Salzausblühungen und Frostsprengung.
  • Ein Bausachverständiger unterscheidet zwischen oberflächlichen Schönheitsfehlern und Schäden, die die Bausubstanz gefährden.
  • Frühzeitiges Handeln verhindert, dass aus kleinen Rissen teure Folgeschäden entstehen.

Fassadenschäden gehören zu den häufigsten Auffälligkeiten an Bestandsgebäuden. Für Erlangen mit seiner über 300 Jahre alten Bausubstanz der Hugenottenstadt und den Nachkriegssiedlungen sind Risse, Abplatzungen und Verwitterungsschäden an Fassaden ein alltägliches Bild. Die entscheidende Frage ist: Handelt es sich um einen harmlosen Haarriss im Putz oder um einen Hinweis auf ein ernsthaftes Problem in der Tragstruktur?

Welche Arten von Fassadenrissen gibt es?

Risse in der Fassade lassen sich nach ihrer Ursache, ihrem Verlauf und ihrer Breite einordnen.

Putzrisse (Schwindrisse): Feine, netzartige Risse in der Putzoberfläche mit einer Breite unter 0,2 mm. Sie entstehen durch Schwinden des Putzmörtels beim Aushärten, durch thermische Spannungen oder durch zu schnelles Trocknen bei der Verarbeitung. Putzrisse sind in der Regel oberflächlich und beeinträchtigen die Bausubstanz nicht. Sie können jedoch Feuchtigkeit in die Putzschicht eindringen lassen, was bei Frost zu weiteren Schäden führt.

Setzungsrisse: Diagonale Risse, die typischerweise an Fenster- und Türecken beginnen und sich schräg durch das Mauerwerk ziehen. Ursache sind ungleichmäßige Setzungen des Fundaments, z.B. durch unterschiedliche Bodenverhältnisse, nachträgliche Grundwasserabsenkung oder Baumwurzeln. Setzungsrisse sind ab 0,5 mm Breite ernst zu nehmen, ab 2 mm besteht Handlungsbedarf.

Spannungsrisse: Risse an den Grenzen unterschiedlicher Baumaterialien, etwa an der Kontaktzone zwischen Mauerwerk und Betonbauteilen. Diese Risse entstehen durch die unterschiedliche Wärmeausdehnung der Materialien. Sie verlaufen geradlinig entlang der Materialgrenze.

Setzungsfugenrisse: Vertikale Risse an Gebäudetrennfugen oder an Anbauten. Wenn zwei Gebäudeteile mit unterschiedlichem Gewicht auf verschiedenem Baugrund stehen, setzen sie sich unterschiedlich. Der Riss verläuft vertikal an der Trennlinie.

Auf unserer Seite zu Baumängeln finden Sie weitere Informationen zur Einordnung von Rissen.

Was verursacht Putzabplatzungen?

Abplatzungen sind Bereiche, in denen sich der Putz vom Untergrund löst und abfällt. Die Ursachen sind vielfältig.

Feuchtigkeit hinter dem Putz: Wenn Wasser zwischen Putz und Mauerwerk eindringt (durch defekte Regenrinnen, fehlerhafte Fensteranschlüsse oder aufsteigende Feuchtigkeit), verliert der Putz die Haftung. Bei Sandstein, wie er an den Erlanger Hugenottenhäusern verbaut ist, ist dieser Mechanismus besonders relevant: Sandstein kann viel Wasser aufnehmen, das dann hinter dem Putz sitzt.

Frostsprengung: Eingedrungenes Wasser gefriert in den Poren des Putzes und des Mauerwerks. Beim Gefrieren dehnt sich Wasser um etwa 9 Prozent aus. Der entstehende Druck sprengt Putzstücke ab und treibt Sandstein in Schichten auseinander (Schalenbildung). An den Nordseiten von Gebäuden, die nach Regen langsamer abtrocknen, tritt Frostsprengung häufiger auf.

Salzausblühungen: Im Mauerwerk gelöste Salze (Sulfate, Chloride, Nitrate) werden mit dem Wasser an die Oberfläche transportiert. Dort kristallisieren sie aus und erzeugen Druck, der den Putz absprengt. An Erlanger Altbauten in der Nähe der Regnitz ist dieses Problem verbreitet, weil der hohe Grundwasserspiegel Salze aus dem Boden ins Mauerwerk transportiert.

Falscher Putz auf falschem Untergrund: Ein harter Zementputz auf weichem Sandsteinmauerwerk ist eine häufige Fehlerkombination. Der harte Putz kann die Bewegungen des weicheren Untergrundes nicht aufnehmen und reißt. Gleichzeitig verhindert er die Austrocknung des Mauerwerks, die Feuchtigkeit staut sich dahinter. Die richtige Wahl wäre ein weicherer Kalkputz oder Kalkmörtelputz.

Lassen Sie Fassadenschäden professionell bewerten. Kontaktieren Sie uns für eine Begutachtung für Erlangen und Umgebung.

Welche Fassadenprobleme sind typisch für Erlangen?

Die Baugeschichte und die Lage im Regnitztal prägen die typischen Schadensbilder.

Sandsteinfassaden der Barockzeit: Die traufständigen Hugenottenhäuser der Erlanger Neustadt (ab 1686) haben Fassaden aus regionalem Sandstein. Dieser Sandstein ist porig und saugfähig. Im Laufe der Jahrhunderte haben Witterung, Luftverschmutzung und unsachgemäße Sanierungen tiefe Spuren hinterlassen. Typische Schäden: Schalenbildung (der Stein blättert in Schichten ab), Rückwitterung (die Oberfläche löst sich millimeterweise auf), schwarze Gipskrusten durch Schwefeldioxid aus historischer Kohleverbrennung und Sandsteinzerfall an den Fensterbänken und Gesimsen.

Nachkriegs-Putzfassaden: Die Wohnbauten in Büchenbach und den weiteren Siedlungsgebieten der 1950er bis 1970er Jahre tragen meist einlagigen Kalk-Zement-Putz. Nach 50 bis 70 Jahren ist die Lebensdauer dieses Putzes erreicht. Typische Schäden: Großflächige Hohlstellen (der Putz klingt beim Klopfen hohl), Abplatzungen an Sockel und Fensterbänken, durchschlagende Feuchtigkeit an Wetterseiten.

Gebäude nahe der Regnitz: Der hohe Grundwasserspiegel im Regnitztal sorgt für aufsteigende Feuchtigkeit in den Sockelbereichen. Salze kristallisieren an der Fassade aus und verursachen Absprengungen im unteren Wandbereich. An manchen Gebäuden sind die unteren 50 bis 100 cm der Fassade sichtbar geschädigt.

Wann sind Fassadenschäden gefährlich?

Nicht jeder Riss ist ein Notfall, aber manche Schäden erfordern sofortiges Handeln.

Sofort handeln: Risse breiter als 2 mm, die sich vergrößern (Rissmarken setzen und beobachten). Risse mit Versatz (eine Rissseite steht höher als die andere). Abplatzungen, bei denen Putzstücke auf den Gehweg fallen (Verkehrssicherungspflicht). Feuchte Stellen hinter Abplatzungen, die auf eine undichte Gebäudehülle hinweisen.

Mittelfristig beobachten: Putzrisse unter 0,5 mm ohne erkennbare Richtungsänderung. Oberflächliche Abwitterung an Sandsteinfassaden. Einzelne kleine Abplatzungen an unkritischen Stellen.

Kein akuter Handlungsbedarf: Haarrisse unter 0,2 mm in der Putzoberfläche. Optische Verfärbungen ohne Substanzverlust. Patina an Sandsteinfassaden (natürlicher Alterungsprozess).

Unsere Bauschadenbewertung gibt Ihnen Klarheit über den Zustand Ihrer Fassade. Wenn Sie eine Immobilie kaufen möchten, ist die Hauskaufberatung der richtige Einstieg.

Wie werden Fassadenschäden saniert?

Die Sanierung richtet sich nach Ursache und Ausmaß des Schadens.

Putzrisse schließen: Haarrisse können mit elastischer Fassadenfarbe überstrichen werden. Risse ab 0,3 mm werden aufgeweitet, grundiert und mit passendem Füllmaterial (Kalk- oder Acrylspachtel) verschlossen. Bei netzartigen Rissen empfiehlt sich ein Armierungsgewebe unter dem neuen Putzbeschichtung.

Putz erneuern: Wenn der Putz großflächig hohl klingt (Klopfprobe), muss er abgeschlagen und erneuert werden. Entscheidend ist die richtige Putzwahl: Auf Sandsteinmauerwerk gehört Kalkputz, nicht Zementputz. Auf Beton kann Kalk-Zement-Putz verwendet werden. Ein Sanierputz mit hohem Porenanteil eignet sich bei salzbelastetem Mauerwerk.

Sandstein restaurieren: Geschädigter Sandstein wird von Fachleuten mit mineralischen Steinersatzmassen (Vierung) oder durch Austausch einzelner Werksteine saniert. Schwarze Gipskrusten werden mit Kompressen oder Mikrostrahlen entfernt. Eine Hydrophobierung (Imprägnierung) kann die Wasseraufnahme reduzieren, muss aber fachgerecht ausgeführt werden, damit die Dampfdurchlässigkeit erhalten bleibt.

Setzungsrisse behandeln: Bei aktiven Setzungsrissen muss zunächst die Ursache geklärt werden (Baugrunduntersuchung, Grundwasserstandsmessung). Erst wenn die Setzung abgeklungen ist, wird der Riss dauerhaft verschlossen. Flexible Füllmaterialien oder dauerelastische Fugen überbrücken verbleibende Bewegungen.

Weitere Informationen zur Schadensdokumentation finden Sie auf unserer Seite zur Bauschadendokumentation.

Was kostet eine Fassadenbegutachtung?

Eine Fassadenbegutachtung umfasst die Sichtprüfung, die Klopfprobe auf Hohlstellen, die Rissdokumentation (Breite, Verlauf, Aktivität) und eine Einschätzung der Ursache. Bei Bedarf werden Materialproben entnommen oder eine Feuchtemessung durchgeführt. Der Umfang richtet sich nach der Gebäudegröße und der Fragestellung. Details finden Sie auf unserer Kostenseite.

Häufige Fragen

Sind Risse in der Fassade normal?

Feine Putzrisse unter 0,2 mm sind bei Bestandsgebäuden normal und in der Regel unbedenklich. Risse über 0,5 mm, diagonal verlaufende Risse oder Risse mit Versatz sollten von einem Sachverständigen begutachtet werden.

Kann ich Fassadenrisse selbst reparieren?

Oberflächliche Haarrisse können mit elastischer Fassadenfarbe überstrichen werden. Bei größeren Rissen oder Abplatzungen sollten Sie die Ursache klären lassen, bevor Sie reparieren. Eine Reparatur ohne Ursachenbeseitigung hält nicht lange.

Wann muss der Vermieter die Fassade sanieren?

Der Vermieter muss die Fassade instand halten, wenn Schäden die Bausubstanz gefährden oder die Verkehrssicherheit beeinträchtigen (herabfallende Putzstücke). Rein optische Mängel begründen keinen Anspruch auf sofortige Sanierung.

Was ist der Unterschied zwischen Putzriss und Setzungsriss?

Putzrisse verlaufen netzartig oder unregelmäßig und beschränken sich auf die Putzschicht. Setzungsrisse verlaufen diagonal (typischerweise von Fensterecken ausgehend) und reichen durch die gesamte Wandkonstruktion.

Warum blättert der Sandstein an meiner Fassade ab?

Sandstein blättert durch Frostsprengung (Wasser in den Poren gefriert), Salzausblühungen (Kristallisationsdruck) oder Gipskrustenbildung (Schwefeldioxid reagiert mit dem Kalk im Stein). Ein Gutachter bestimmt die genaue Ursache und empfiehlt die passende Restaurierungsmethode.

Muss ich Fassadenschäden beim Hausverkauf angeben?

Bekannte Mängel, die den Wert der Immobilie beeinflussen, müssen dem Käufer offengelegt werden. Setzungsrisse und Feuchtigkeitsschäden hinter der Fassade gehören dazu. Ein Verschweigen kann nach dem Kauf zur Anfechtung führen.

Kann ein falscher Putz die Fassade beschädigen?

Ja. Harter Zementputz auf weichem Sandsteinmauerwerk ist eine häufige Ursache für Schäden. Der Putz verhindert die Austrocknung, staut Feuchtigkeit und reißt durch die unterschiedliche Dehnfähigkeit. Kalkputz ist für historisches Mauerwerk die richtige Wahl.

Wie oft sollte die Fassade kontrolliert werden?

Eine Sichtprüfung alle zwei bis drei Jahre ist sinnvoll, besonders nach strengen Wintern. Achten Sie auf neue Risse, Verfärbungen, hohle Stellen (Klopfprobe) und Abplatzungen. Gebäude an der Regnitz oder mit Nordausrichtung sind stärker beansprucht.

Rufen Sie uns an unter 0921 163 932 51 oder nutzen Sie unser Kontaktformular. Sachverständiger Jörg Aichinger begutachtet Fassadenschäden für Erlangen und Umgebung.

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