Das Wichtigste in Kürze:
- Die Außendämmung (WDVS) ist bauphysikalisch die sicherere Lösung: Die gesamte Wand bleibt warm, der Taupunkt liegt in der Dämmung.
- Bei denkmalgeschützten Fassaden, Grenzbebauung oder gestalterisch wertvollen Fassaden kommt nur eine Innendämmung in Frage.
- Die Innendämmung verschiebt den Taupunkt in die Wand. Ohne sorgfältige Planung droht Kondensation und Schimmelbildung.
- In Erlangen sind viele Gebäude der barocken Neustadt und der Altstadt denkmalgeschützt. Eine Außendämmung ist dort fast immer ausgeschlossen.
- Ein Sachverständiger berechnet den Taupunkt und empfiehlt das passende Dämmsystem.
Wer die Fassade seines Altbaus dämmen möchte, steht vor einer grundlegenden Entscheidung: Innendämmung oder Außendämmung? Beide Varianten reduzieren Wärmeverluste, aber sie unterscheiden sich bauphysikalisch fundamental. Für Erlangen ist diese Frage besonders relevant, weil die barocke Planstadt mit ihren Hugenottenhäusern und Sandsteinfassaden eine Außendämmung häufig ausschließt.
Wie funktioniert eine Außendämmung?
Bei der Außendämmung (Wärmedämmverbundsystem, kurz WDVS) werden Dämmplatten von außen auf die Fassade geklebt oder gedübelt und mit Putz und Farbe versehen. Die bestehende Wand liegt hinter der Dämmschicht im warmen Bereich. Der Taupunkt, also die Stelle, an der Luftfeuchtigkeit kondensiert, verschiebt sich in die Dämmung oder nach außen.
Vorteile der Außendämmung:
- Bauphysikalisch sicher: Die gesamte Wand bleibt warm und trocken.
- Keine Wohnflächenverluste: Die Dämmung liegt außen.
- Wärmebrücken an Geschossdecken und Innenwandanschlüssen werden überdeckt.
- Die Wand kann als Wärmespeicher fungieren und das Raumklima stabilisieren.
Nachteile der Außendämmung:
- Veränderung des Erscheinungsbildes: Fensterlaibungen werden tiefer, Gesimse und Ornamente verschwinden unter der Dämmung.
- Bei Denkmalschutz in der Regel nicht genehmigungsfähig.
- Bei Grenzbebauung (Gebäude steht direkt an der Grundstücksgrenze) fehlt der Platz.
- Gerüststellung erforderlich, was bei engen Erlanger Innenstadtgassen den Gehweg blockieren kann.
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Wie funktioniert eine Innendämmung?
Bei der Innendämmung werden Dämmstoffe von innen auf die Außenwand aufgebracht. Das kann als geklebte Dämmplatten (Kalziumsilikat, Mineralschaum, Holzfaserdämmplatten), als Vorsatzschale mit Mineralwolle oder als Einblasdämmung in einer Vorsatzwand geschehen.
Vorteile der Innendämmung:
- Fassade bleibt unverändert. Denkmalschutzkonform.
- Raumweise durchführbar. Nicht die gesamte Fassade muss auf einmal bearbeitet werden.
- Kein Gerüst erforderlich.
- Schnellere Aufheizung der Räume, da die schwere Außenwand nicht mitgeheizt wird.
Nachteile der Innendämmung:
- Wohnflächenverlust: Die Dämmung nimmt je nach Stärke 6 bis 12 Zentimeter der Raumtiefe ein.
- Taupunktverschiebung: Der Taupunkt wandert in die Wand oder an die Grenzfläche zwischen Wand und Dämmung. Bei falscher Ausführung kondensiert dort Feuchtigkeit, und es entsteht Schimmel.
- Wärmebrücken an Geschossdecken und Innenwänden bleiben bestehen, weil die Innendämmung dort unterbrochen wird.
- Installationen (Steckdosen, Leitungen) müssen verlegt werden.
Was ist das Taupunktproblem bei der Innendämmung?
Die Innendämmung trennt den warmen Innenraum von der kalten Außenwand. Im Winter kühlt die Außenwand hinter der Dämmung stark ab. Wenn warme, feuchte Raumluft durch undichte Stellen in der Dampfbremse hinter die Dämmung gelangt, kondensiert sie an der kalten Wandoberfläche. Diese Kondensation ist nicht sichtbar, weil sie hinter der Dämmung stattfindet. Sie führt über Wochen und Monate zu durchfeuchtetem Mauerwerk und Schimmelbildung.
Die Lösung: Eine funktionierende Dampfbremse oder dampfbremsende Dämmstoffe. Kalziumsilikatplatten und Mineralschaumplatten können Feuchtigkeit aufnehmen, puffern und wieder abgeben (kapillaraktiv). Sie benötigen keine separate Dampfbremse und sind bei denkmalgeschützten Gebäuden das Mittel der Wahl. Allerdings funktioniert das System nur, wenn die Platten vollflächig und hohlraumfrei auf die Wand geklebt werden. Luftschichten zwischen Platte und Wand sind fatal.
Bei der Verwendung von Mineralwolle oder Polystyrol (nicht kapillaraktiv) ist eine Dampfbremsfolie raumseitig zwingend erforderlich. Jede Durchdringung (Steckdose, Rohrleitung) muss luftdicht abgeklebt werden. Schon kleine Leckagen reichen, um das System zum Versagen zu bringen.
Kontaktieren Sie uns, wenn Sie eine Innendämmung für Erlangen planen. Wir beurteilen den Bestandsaufbau und berechnen den Taupunkt.
Warum ist Innendämmung bei Erlanger Denkmalbauten oft die einzige Option?
Die barocke Neustadt Erlangens wurde ab 1686 als Planstadt für hugenottische Glaubensflüchtlinge angelegt. Die einheitlichen, zwei- bis dreigeschossigen Häuser mit ihren Sandsteinfassaden stehen als Ensemble unter Denkmalschutz. Eine Außendämmung würde das historische Erscheinungsbild zerstören: Fensterlaibungen, Gesimse, Türgewände und die proportionierte Fassadengliederung gingen verloren. Die Denkmalbehörde genehmigt das in aller Regel nicht.
Auch außerhalb des Denkmalensembles gibt es in Erlangen zahlreiche Gebäude, bei denen eine Außendämmung nicht praktikabel ist: Häuser direkt an der Grundstücksgrenze (Reihenhäuser, geschlossene Straßenzeilen), Gebäude mit Klinkerfassaden oder aufwendig gestalteten Putzfassaden aus der Gründerzeit. Für alle diese Fälle bleibt die Innendämmung die einzige Möglichkeit, den Wärmeschutz zu verbessern.
Unsere Bauschaden-Bewertung prüft, ob bereits Feuchteschäden vorliegen, die vor einer Innendämmung behoben werden müssen. Die Bauthermografie zeigt Wärmebrücken auf, die bei der Planung berücksichtigt werden müssen.
Welche Fehler passieren bei der Innendämmung?
Fehler 1: Hohlräume hinter der Dämmplatte. Wenn kapillaraktive Platten nicht vollflächig verklebt sind, entstehen Lufttaschen. Dort kondensiert Feuchtigkeit unkontrolliert. Das Ergebnis: Schimmel hinter der Dämmung, unsichtbar und schwer zu beheben.
Fehler 2: Dampfbremse fehlerhaft ausgeführt. Bei nicht-kapillaraktiven Dämmstoffen muss die Dampfbremse lückenlos sein. An Steckdosen, Lichtschaltern, Kabeldurchführungen und den Anschlüssen zu Decke, Boden und Innenwänden entstehen regelmäßig undichte Stellen.
Fehler 3: Wärmebrücken an Geschossdecken nicht beachtet. Wo die Geschossdecke in die Außenwand einbindet, endet die Innendämmung. An dieser Stelle kühlt die Wand weiterhin aus. Das führt zu Kondensation und Schimmelbildung, besonders in den Zimmerecken. Flankendämmstreifen können das Problem mindern, aber nicht vollständig lösen.
Fehler 4: Feuchte Wand vor der Dämmung nicht saniert. Aufsteigende Feuchtigkeit oder Schlagregen, der die Wand durchdringt, muss vor dem Anbringen der Innendämmung beseitigt werden. Eine Innendämmung auf feuchtem Mauerwerk verschlimmert das Problem, weil die Trocknung nach innen blockiert wird.
Fehler 5: Zu dicke Innendämmung. Eine dickere Innendämmung senkt zwar den U-Wert stärker, verschärft aber das Taupunktproblem. Die Außenwand kühlt stärker aus, das Kondensationsrisiko steigt. Bei kapillaraktiven Systemen sind in der Regel 4 bis 8 Zentimeter ein guter Kompromiss zwischen Wärmeschutz und Feuchterisiko.
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Häufige Fragen
Kann ich eine Innendämmung selbst anbringen?
Kapillaraktive Dämmplatten (Kalziumsilikat) lassen sich von versierten Heimwerkern verarbeiten. Die Voraussetzung ist eine trockene, tragfähige Wand und vollflächiges Verkleben ohne Hohlräume. Bei feuchtem Mauerwerk oder komplexen Geometrien sollte ein Fachbetrieb beauftragen werden.
Wie dick sollte eine Innendämmung sein?
Bei kapillaraktiven Systemen sind 4 bis 8 Zentimeter üblich. Die optimale Stärke ergibt sich aus einer Taupunktberechnung unter Berücksichtigung von Wandaufbau, Innenklima und Außenklima.
Verursacht Innendämmung zwangsläufig Schimmel?
Nein, aber das Risiko ist real. Fachgerechte Ausführung mit dem richtigen Dämmsystem, lückenloser Dampfbremse oder kapillaraktiven Dämmstoffen verhindert Schimmelbildung zuverlässig.
Was kostet Innendämmung im Vergleich zu Außendämmung?
Die Materialkosten sind bei der Innendämmung oft niedriger. Dafür ist der Innenausbau aufwendiger (Steckdosen versetzen, Fensterbänke anpassen). Die Gesamtkosten hängen vom Einzelfall ab.
Kann ich nur einzelne Räume von innen dämmen?
Ja, das ist einer der Vorteile. Allerdings entstehen an den Übergängen zu ungedämmten Räumen Wärmebrücken, die berücksichtigt werden müssen.
Ist Innendämmung bei Fachwerk möglich?
Grundsätzlich ja, aber mit Einschränkungen. Fachwerk braucht Dämmstoffe, die Feuchtigkeit puffern können. Kalziumsilikat und Lehm-Holzfaserdämmung sind geeignet. Dampfsperrende Materialien wie Polystyrol sind bei Fachwerk kontraproduktiv.
Brauche ich für eine Innendämmung eine Baugenehmigung?
In der Regel nicht, da es sich um eine Maßnahme im Gebäudeinneren handelt. Bei denkmalgeschützten Gebäuden kann die Denkmalbehörde jedoch Auflagen machen, etwa bezüglich der verwendeten Materialien.
Wie erkenne ich, ob meine bestehende Innendämmung funktioniert?
Feuchte Stellen, Schimmelflecken in den Raumecken, muffiger Geruch oder abblätternde Farbe hinter Möbeln an Außenwänden sind Warnsignale. Ein Sachverständiger kann mit einer Feuchtemessung prüfen, ob sich hinter der Dämmung Feuchtigkeit ansammelt.
Dämmung für Ihren Altbau in Erlangen planen? Rufen Sie uns an unter 0921 163 932 51 oder nutzen Sie unser Kontaktformular. Sachverständiger Jörg Aichinger berechnet den Taupunkt und empfiehlt die passende Lösung.