DEKRA-geprüfter Bausachverständiger für Erlangen
Erlangen & Region 18.03.2026 · Jörg Aichinger
Nachkriegsbauten für Erlangen: Typischer Sanierungsbedarf der 1950-70er

Das Wichtigste in Kürze:

  • Nachkriegsbauten der 1950er bis 1970er Jahre prägen die Stadtteile Büchenbach, Anger und Rathenau.
  • Typische Schwachstellen: ungedämmte Außenwände, einfache Kellerabdichtung, veraltete Haustechnik und Flachdächer.
  • Energetische Sanierung lohnt sich, muss aber fachlich geplant werden, um Folgeschäden zu vermeiden.
  • Schadstoffbelastungen durch Asbest, PAK oder Bleileitungen sind bei Gebäuden dieser Epoche keine Seltenheit.
  • Ein Sachverständiger erstellt einen Sanierungsfahrplan mit priorisierten Maßnahmen.

Erlangen wuchs in der Nachkriegszeit rasant. Der Zuzug durch Siemens-Mitarbeiter, Universitätsangehörige und Flüchtlinge aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten erforderte den schnellen Bau von Wohnraum. In den Stadtteilen Büchenbach, Anger und Rathenau entstanden zwischen den 1950er und 1970er Jahren Tausende Wohnungen in Geschosswohnungsbauten und Einfamilienhaussiedlungen. Diese Nachkriegsbauten für Erlangen erreichen heute ein Alter von 50 bis 70 Jahren und zeigen den entsprechenden Sanierungsbedarf.

Was kennzeichnet Nachkriegsbauten der 1950er Jahre?

Die frühesten Nachkriegsbauten in Erlangen wurden unter Materialmangel errichtet. Baumaterialien waren kontingentiert, sodass sparsam gebaut wurde. Die Außenwände bestehen häufig aus Hochlochziegeln oder Bimsbetonsteinen mit einer Wandstärke von 24 bis 30 Zentimetern, ohne jede zusätzliche Wärmedämmung.

Die Kellergeschosse wurden einfach abgedichtet, oft nur mit einem Bitumenanstrich auf der Außenseite. Eine horizontale Feuchtigkeitssperre zwischen Fundament und aufgehendem Mauerwerk fehlt bei vielen dieser Gebäude. Die Folge: Feuchtigkeit steigt kapillar im Mauerwerk auf, besonders in den tiefergelegenen Stadtteilen im Regnitztal.

Die Deckenkonstruktionen sind je nach Bauphase unterschiedlich: Holzbalkendecken finden sich in den frühesten Bauten, ab Mitte der 1950er Jahre wurden zunehmend Stahlbetondecken verwendet. Bei Holzbalkendecken ist die Tragfähigkeit und der Zustand der Holzbauteile ein wichtiger Prüfpunkt.

Mehr zum Thema feuchte Keller erfahren Sie auf unserer Seite zur Beratung bei Feuchteschäden.

Welche Probleme zeigen Gebäude der 1960er und 1970er Jahre?

Ab den 1960er Jahren wurde rationeller und in größerem Maßstab gebaut. Büchenbach entstand als Großsiedlung mit Tausenden Wohneinheiten. Die Bauweise dieser Zeit bringt eigene Herausforderungen mit sich:

Flachdächer: Zahlreiche Mehrfamilienhäuser und Bungalows der 1960er und 1970er Jahre haben Flachdächer. Die Abdichtung besteht aus Bitumenbahnen, die nach Jahrzehnten verspröden, Risse bilden und undicht werden. Wasser dringt in die Dachdämmung ein und verursacht dort Schäden, die von außen unsichtbar bleiben, bis sie sich durch Feuchteflecken an der Decke bemerkbar machen.

Fensterbänke und Rolladenkästen: Alte Rolladenkästen ohne Dämmung sind erhebliche Wärmebrücken. Kalte Luft strömt unkontrolliert ein, und im Bereich der Leibung bildet sich häufig Kondenswasser und in der Folge Schimmel.

Heizungsanlagen: Ölheizungen mit überdimensionierten Kesseln und ungeregelten Umwälzpumpen arbeiten mit schlechtem Wirkungsgrad. Nachtspeicheröfen, die in vielen Wohnungen der 1960er Jahre eingebaut wurden, sind unwirtschaftlich und können asbesthaltige Speichersteine enthalten.

Sanitärleitungen: Verzinkte Stahlrohre als Trinkwasserleitungen sind nach 40 bis 50 Jahren häufig von innen korrodiert. In den ältesten Gebäuden finden sich vereinzelt noch Bleileitungen, die aus gesundheitlichen Gründen dringend ausgetauscht werden müssen.

Informationen zur Schadensbewertung finden Sie auf unserer Seite zu Baumängeln.

Welche Schadstoffe können in Nachkriegsbauten vorkommen?

Gebäude der 1950er bis 1970er Jahre können verschiedene Schadstoffe enthalten, die bei Sanierungsarbeiten freigesetzt werden können:

Asbest: In Nachtspeicheröfen, in Dach- und Fassadenplatten (Eternit), in Fliesenkleber, in Dichtungsschnüren und in Bodenbelägen (Floor-Flex-Platten). Asbest ist solange ungefährlich, wie das Material nicht beschädigt oder bearbeitet wird. Bei Sanierungsarbeiten muss vor jedem Eingriff geprüft werden, ob asbesthaltige Materialien vorhanden sind.

PAK (Polycyclische Aromatische Kohlenwasserstoffe): In teerhaltigem Parkettkleber, in Bitumenanstrichen und in alten Dachpappen. PAK sind krebserregend und erfordern eine fachgerechte Entsorgung.

Blei: In alten Wasserleitungen und in Fensterverglasungen (Bleiverglasung). Bleileitungen müssen aus gesundheitlichen Gründen ersetzt werden.

Ein Sachverständiger kann einschätzen, welche Materialien verdächtig sind, und empfiehlt gegebenenfalls eine Laboruntersuchung vor Beginn der Sanierung.

Kontaktieren Sie uns für eine Bestandsaufnahme Ihrer Nachkriegsimmobilie für Erlangen.

Wie geht man eine Sanierung von Nachkriegsbauten an?

Eine sinnvolle Sanierung beginnt mit einer systematischen Bestandsaufnahme. Nicht alle Maßnahmen müssen gleichzeitig durchgeführt werden, aber die Reihenfolge ist entscheidend. Ein typischer Sanierungsfahrplan für Nachkriegsbauten sieht wie folgt aus:

Zuerst: Sicherheitsrelevante Mängel beheben. Dazu gehören defekte Elektroinstallationen, Bleileitungen, asbesthaltige Materialien in beschädigtem Zustand und Undichtigkeiten am Dach.

Dann: Die Gebäudehülle verbessern. Dachabdichtung erneuern, Außenwände dämmen (sofern möglich), Fenster austauschen, Kellerabdichtung instand setzen. Die Gebäudehülle hat den größten Einfluss auf Energieverbrauch und Wohnkomfort.

Anschließend: Haustechnik erneuern. Heizungsanlage austauschen, Sanitärleitungen erneuern, Elektroinstallation auf aktuellen Stand bringen. Die Haustechnik wird an die verbesserte Gebäudehülle angepasst.

Auf unserer Seite zur Sanierungsberatung erfahren Sie mehr über die Planung von Sanierungsmaßnahmen.

Was kostet die Sanierung eines Nachkriegsbaus?

Die Kosten variieren stark je nach Gebäudetyp, Zustand und Umfang der Maßnahmen. Ein Sachverständiger kann nach einer Begehung einschätzen, welche Maßnahmen in welcher Reihenfolge sinnvoll sind und in welchem Rahmen sich die Kosten bewegen werden. Diese Einschätzung ist besonders vor einem Immobilienkauf wichtig, damit die Sanierungskosten in die Kaufentscheidung einfließen können.

Auf unserer Kosten-Seite finden Sie Informationen zum Ablauf einer Begutachtung.

Häufige Fragen

Sind Nachkriegsbauten grundsätzlich sanierungsbedürftig?

Nicht pauschal, aber in den allermeisten Fällen ist zumindest teilweiser Sanierungsbedarf vorhanden. Die Gebäudehülle, die Haustechnik und die Kellerabdichtung sind die häufigsten Problemstellen.

Woran erkenne ich, ob Asbest in meinem Gebäude verbaut ist?

Typische Verdachtsmomente sind: Nachtspeicheröfen vor 1984, Eternit-Fassadenplatten, bestimmte Bodenbeläge (Vinyl-Asbest-Fliesen) und Dichtungsschnüre an Heizungsrohren. Im Zweifelsfall bringt eine Materialprobe Klarheit.

Lohnt sich eine energetische Sanierung bei einem 1960er-Jahre-Haus?

In der Regel ja, da der Energieverbrauch ungedämmter Nachkriegsbauten sehr hoch ist. Die Einsparungen durch Dämmung und neue Fenster sind erheblich. Wichtig ist, dass die Maßnahmen aufeinander abgestimmt werden.

Was ist eine Horizontalsperre und warum fehlt sie oft?

Eine Horizontalsperre ist eine Feuchtigkeitsbarriere zwischen Fundament und aufgehendem Mauerwerk. Sie verhindert, dass Feuchtigkeit im Mauerwerk aufsteigt. Bei vielen Nachkriegsbauten wurde diese Sperre eingespart oder ist durch Alterung unwirksam geworden.

Kann ich die Kellerabdichtung nachträglich erneuern?

Ja. Es gibt Verfahren von außen (Freilegen und neue Abdichtung) und von innen (Injektionsverfahren, Dichtungsschlämmen). Welches Verfahren sinnvoll ist, hängt von der Situation vor Ort ab.

Was ist bei Flachdächern der Nachkriegszeit zu beachten?

Die Bitumenabdichtung hat nach 40 bis 50 Jahren ihre Lebensdauer erreicht. Eine regelmäßige Kontrolle und rechtzeitige Erneuerung verhindert teure Folgeschäden an Dämmung und Decke.

Muss ich alle Sanierungen auf einmal durchführen?

Nein. Ein Sanierungsfahrplan legt fest, welche Maßnahmen dringend sind und welche warten können. So lassen sich die Kosten über mehrere Jahre verteilen.

Rufen Sie uns an unter 0921 163 932 51 oder nutzen Sie unser Kontaktformular. DEKRA-zertifizierter Sachverständiger Jörg Aichinger berät Sie zu Nachkriegsbauten für Erlangen und die Region Mittelfranken.

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