DEKRA-geprüfter Bausachverständiger für Erlangen
Baumängel & Bauschäden 18.03.2026 · Jörg Aichinger
Pfusch am Bau erkennen: 7 Warnsignale für Bauherren

Das Wichtigste in Kürze:

  • Risse in frischem Putz, stehendes Wasser und unebene Flächen sind sichtbare Warnsignale für Pfusch am Bau.
  • Auch ohne Fachkenntnisse können Bauherren bei regelmäßigen Baustellenbesuchen viele Mängel erkennen.
  • Erlanger Baugrundverhältnisse im Regnitztal erfordern besondere Sorgfalt bei Abdichtung und Gründung.
  • Dokumentieren Sie jedes Warnsignal sofort mit Fotos, Datum und Ortsbeschreibung.
  • Frühzeitig entdeckte Mängel kosten einen Bruchteil der Beseitigung verdeckter Schäden nach der Abnahme.
  • Ein DEKRA-zertifizierter Sachverständiger unterscheidet zuverlässig zwischen Schönheitsfehler und echtem Mangel.

Pfusch am Bau ist kein seltenes Phänomen. Nach Branchenschätzungen weist nahezu jeder Neubau bei der Abnahme Mängel auf. Viele davon wären vermeidbar gewesen, wenn Bauherren die Warnsignale rechtzeitig erkannt hätten. Dieser Ratgeber zeigt Ihnen sieben konkrete Anzeichen, die auch Laien auf der Baustelle bemerken können. Für Erlangen mit seinem besonderen Baugrund im Regnitztal und der Mischung aus historischer Bausubstanz und Neubaugebieten wie Büchenbach oder dem Röthelheimpark gibt es dabei einige regionale Besonderheiten zu beachten.

Warnsignal 1: Warum sind Risse in frischem Putz bedenklich?

Frisch aufgetragener Putz sollte glatt und rissfrei aushärten. Treten Risse bereits in den ersten Tagen oder Wochen auf, stimmt etwas mit der Ausführung nicht. Feine Haarrisse unter 0,1 mm Breite können durch normales Schwinden entstehen und sind meist harmlos. Werden die Risse dagegen breiter als 0,2 mm, breiten sich sternförmig aus oder folgen dem Fugenverlauf des Mauerwerks, liegt ein handwerklicher Fehler vor.

Häufige Ursachen sind eine zu dicke Putzschicht in einem Arbeitsgang, fehlende Grundierung auf saugenden Untergründen, falsches Mischungsverhältnis oder Verputzen bei ungeeigneter Witterung. Bei Erlanger Altbauten mit Sandsteinmauerwerk aus der Barockzeit kommt ein weiteres Problem hinzu: Die mineralische Zusammensetzung des Sandsteins erfordert einen speziell abgestimmten Putzaufbau. Wird ein Standard-Kalkzementputz auf historisches Sandsteinmauerwerk aufgetragen, sind Risse und Abplatzungen vorprogrammiert.

Dokumentieren Sie solche Risse mit Fotos und einem Maßstab im Bild. Lassen Sie die Ursache klären, bevor der nächste Gewerkeabschnitt die betroffenen Stellen verdeckt.

Warnsignal 2: Was verrät stehendes Wasser auf der Bodenplatte?

Nach dem Betonieren der Bodenplatte sollte Regenwasser zügig zu den Entwässerungspunkten abfließen. Bilden sich Pfützen, die nach 15 Minuten noch stehen, stimmt das Gefälle nicht oder die Oberfläche ist nicht planeben hergestellt.

Die Folgen können gravierend sein. Wasser, das nicht abfließt, dringt in Fugen und Risse ein und schädigt langfristig die Bausubstanz. In Erlangen verschärft die Lage im Regnitztal dieses Risiko. Der Grundwasserspiegel liegt in vielen Stadtteilen hoch, besonders in den Bereichen entlang der Regnitz und im Bereich der Schwabach. Ein Entwässerungsfehler an der Bodenplatte verzeiht sich hier noch weniger als auf trockenem Baugrund.

Testen Sie die Bodenplatte selbst: Gießen Sie Wasser auf verschiedene Bereiche und beobachten Sie, ob und wohin es fließt. Mehr zur professionellen Begleitung des gesamten Bauprozesses finden Sie auf unserer Seite zur baubegleitenden Qualitätssicherung.

Warnsignal 3: Wie erkennen Sie unebene Wände und Böden?

Unebene Flächen fallen oft erst beim Einzug auf, wenn Möbel nicht bündig an der Wand stehen oder Fliesen hohl klingen. Dabei lassen sich Unebenheiten mit einfachen Mitteln schon während der Bauphase prüfen: Halten Sie eine lange Wasserwaage oder eine gerade Latte an die Fläche. Die Ebenheitstoleranzen sind in der DIN 18202 geregelt. Bei normalem Wandputz sind auf einen Meter Messlänge maximal 5 mm Abweichung zulässig.

Werden diese Toleranzen überschritten, deutet das auf fehlende Putzlehren, eine schlecht vorbereitete Unterkonstruktion oder Zeitdruck hin. Achten Sie besonders auf die Anschlüsse: Wo Wand auf Boden trifft, wo Fensterlaibungen auf Mauerwerk stoßen, wo Trockenbauwände an massive Wände grenzen. Ungleichmäßige Fugenbreiten und schiefe Übergänge zeigen mangelnde Sorgfalt.

Warnsignal 4: Was bedeuten feuchte Stellen und Verfärbungen?

Einzelne feuchte Stellen, die deutlich nasser sind als die umgebende Fläche, sind ein ernstes Warnsignal. Salzausblühungen, weißlich-kristalline Ablagerungen auf dem Mauerwerk, zeigen an, dass Feuchtigkeit Salze aus dem Baustoff löst und nach außen transportiert. An Innenwänden sind Verfärbungen und Kondenswasserbildung Hinweise auf Wärmebrücken oder fehlerhafte Dampfsperren.

Gerade bei Sanierungsprojekten in der Erlanger Innenstadt mit ihren barocken Hugenottenhäusern sind fehlende oder beschädigte Horizontalsperren eine häufige Ursache für aufsteigende Feuchtigkeit. Auch bei Neubauten in ehemaligen Überschwemmungsbereichen der Regnitz muss die Abdichtung besonders sorgfältig ausgeführt werden. Ausführliche Informationen finden Sie auf unserer Seite zur Beratung bei Feuchteschäden.

Kontaktieren Sie uns für eine fachkundige Beurteilung verdächtiger Feuchtstellen.

Warnsignal 5: Woran erkennen Sie mangelhaft eingebaute Fenster?

Der Fenstereinbau nach RAL-Richtlinien folgt einem klaren Prinzip: innen dichter als außen. Die innere Abdichtung muss dampfdiffusionsdicht sein, die äußere schlagregendicht aber dampfdurchlässig. Wenn Sie sehen, dass Fenster ausschließlich mit Montageschaum eingesetzt und ohne Dichtbänder, Folien oder Kompribänder angeschlossen wurden, liegt ein klarer Mangel vor.

Prüfpunkte für Laien: Sind die Fugenbreiten zwischen Rahmen und Mauerwerk gleichmäßig? Lassen sich alle Fensterflügel leichtgängig öffnen und schließen? Schließen die Beschläge sauber, ohne dass der Flügel verkantet? Sind Anputzleisten sauber ausgeführt? Bei denkmalgeschützten Erlanger Gebäuden gelten zusätzlich Auflagen der unteren Denkmalschutzbehörde, die spezielle Rahmenprofile oder Sprossenfenster vorschreiben können.

Warnsignal 6: Was sagen Ihnen unsaubere Abdichtungen?

Abdichtungen an Rohrdurchführungen, Wandanschlüssen und Durchdringungen sind die kritischsten Stellen am Bau. Hier entscheidet die handwerkliche Qualität darüber, ob Ihr Keller trocken bleibt oder ob Sie in wenigen Jahren mit Wassereintritt rechnen müssen.

Prüfen Sie: Liegen Abdichtungsbahnen sauber überlappend und sind die Nähte gleichmäßig verschweißt? Sind Rohrdurchführungen mit Manschetten oder Pressringen gesichert? Sind Anschlüsse an aufgehende Bauteile ausreichend hochgezogen? Lose Ränder, Blasen in der Beschichtung und unsaubere Eckausbildungen sind typische Mängel. Gerade bei Kellern in Erlanger Lagen mit hohem Grundwasserspiegel kann eine mangelhafte Abdichtung schnell zu einem kostspieligen Problem werden. Weitere Details erfahren Sie auf unserer Seite zur Bauschaden-Bewertung.

Warnsignal 7: Was verrät die Ordnung auf der Baustelle?

Die Baustellenorganisation ist ein zuverlässiger Indikator für die Arbeitsqualität. Liegen Dämmstoffe ungeschützt im Regen? Sind eingebaute Fenster nicht abgeklebt und werden durch Folgegewerke beschädigt? Fehlen Absicherungen und Schutzfolien? Dann stimmt die Sorgfalt der ausführenden Firma nicht.

Feuchte Dämmstoffe verlieren ihre Wirkung dauerhaft. Ungeschützte Oberflächen bekommen Kratzer, die später teuer ausgebessert werden müssen. Nasse Baustoffe bringen zusätzliche Feuchtigkeit ins Gebäude und verlängern die Trocknungszeit. Eine ordentliche, aufgeräumte Baustelle ist kein Luxus, sondern Voraussetzung für ein mängelfreies Ergebnis.

Was sollten Sie tun, wenn Sie Warnsignale bemerken?

Handeln Sie schnell, aber überlegt. Fotografieren Sie den Mangel aus verschiedenen Perspektiven, legen Sie einen Zollstock oder ein Lineal als Maßstab ins Bild. Notieren Sie Datum, Uhrzeit und den genauen Ort auf der Baustelle. Informieren Sie den Bauleiter oder die ausführende Firma schriftlich per E-Mail und setzen Sie eine angemessene Frist zur Stellungnahme.

Ziehen Sie frühzeitig einen Sachverständigen hinzu. Was für Laien wie ein Schönheitsfehler aussieht, kann auf ein gravierendes Problem hinweisen. Und umgekehrt: Ein Sachverständiger kann Entwarnung geben und Ihnen unnötige Konflikte ersparen. Informationen zur professionellen Bauabnahme finden Sie auf unserer Leistungsseite.

Besonderheiten für Erlangen und die Region Mittelfranken

Erlangen hat als barocke Planstadt im Regnitztal einige Besonderheiten, die bei der Mängelprüfung relevant sind. Der hohe Grundwasserspiegel erfordert besonders sorgfältige Abdichtungsarbeiten. In den Neubaugebieten Röthelheimpark und Büchenbach wurden teilweise ehemalige Militärflächen bebaut, bei denen Altlasten und heterogener Baugrund vorkommen können. Die Sandsteinfassaden der Hugenottenstadt verlangen bei Sanierungen einen fachgerechten Putzaufbau, der auf das historische Material abgestimmt ist.

In den Siemens-Werkssiedlungen im Norden und den Geschosswohnungsbauten der 1960er bis 1980er Jahre in Büchenbach sind altersbedingte Schwachstellen bei Flachdächern, Balkonabdichtungen und Installationen typisch. Eine regelmäßige Baubegleitung durch einen erfahrenen Sachverständigen lohnt sich gerade bei diesen Gebäudetypen.

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Häufige Fragen

Ab wann gelten Risse als Baumangel?

Risse über 0,2 mm Breite gelten in der Regel als mangelhaft. Haarrisse bis 0,1 mm sind bei Putz und Beton normal und kein Mangel. Entscheidend ist neben der Breite auch die Ursache und ob der Riss sich weiter öffnet.

Muss ich Mängel vor der Abnahme rügen?

Ja. Alle erkennbaren Mängel sollten spätestens bei der Abnahme schriftlich protokolliert werden. Nach der Abnahme kehrt sich die Beweislast um: Sie als Bauherr müssen dann nachweisen, dass der Mangel schon vorher bestand.

Kann ich die Abnahme bei Mängeln verweigern?

Bei wesentlichen Mängeln, die die Gebrauchstauglichkeit einschränken, können und sollten Sie die Abnahme verweigern. Kleinere Mängel nehmen Sie als Vorbehalt ins Abnahmeprotokoll auf.

Wie oft sollte ich die Baustelle kontrollieren?

Mindestens einmal pro Woche. Bei kritischen Bauphasen wie Abdichtung, Estrich oder Fenstereinbau empfiehlt sich eine häufigere Kontrolle. Noch besser ist eine regelmäßige Baubegleitung durch einen Sachverständigen.

Welche Gewährleistungsfristen gelten nach Abnahme?

Nach BGB beträgt die Gewährleistungsfrist fünf Jahre ab Abnahme, nach VOB/B vier Jahre. Arglistig verschwiegene Mängel können auch nach Ablauf der regulären Frist geltend gemacht werden.

Wer haftet bei Mängeln durch Subunternehmer?

Ihr direkter Vertragspartner haftet auch für Mängel, die seine Subunternehmer verursacht haben. Sie müssen sich nicht an den Subunternehmer wenden.

Ist eine Baubegleitung auch bei schlüsselfertigen Häusern sinnvoll?

Gerade dann. Bei schlüsselfertigen Projekten haben Bauherren keinen direkten Kontakt zu den einzelnen Gewerken. Ein unabhängiger Sachverständiger prüft die Ausführung in jeder Bauphase und erkennt Mängel, die dem Bauherren verborgen bleiben.

Kann ich einen Sachverständigen auch nach dem Einzug noch beauftragen?

Ja. Auch nach Einzug und Abnahme können Mängel festgestellt und innerhalb der Gewährleistungsfrist geltend gemacht werden. Ein Sachverständiger dokumentiert und bewertet die Mängel fachgerecht.

Sie möchten Ihre Baustelle für Erlangen durch einen Sachverständigen prüfen lassen? Rufen Sie uns an unter 0921 163 932 51 oder nutzen Sie unser Kontaktformular. DEKRA-zertifizierter Sachverständiger Jörg Aichinger begleitet Ihr Bauvorhaben von der Gründung bis zur Abnahme.

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