Das Wichtigste in Kürze:
- Der individuelle Sanierungsfahrplan (iSFP) ist ein standardisiertes Beratungsinstrument für die schrittweise energetische Sanierung von Wohngebäuden.
- Erstellt wird der iSFP ausschließlich von zugelassenen Energieberatern, nicht von Bausachverständigen.
- Der iSFP enthält eine Bestandsaufnahme, Maßnahmenempfehlungen mit Reihenfolge und eine Kosten-Nutzen-Abschätzung.
- Wer Einzelmaßnahmen aus einem iSFP umsetzt, erhält einen Förderbonus von 5 Prozent auf die BEG-Förderung.
- Für Erlangen sind besonders die Nachkriegsbauten in Büchenbach und die Siemens-Siedlungen typische Kandidaten für einen Sanierungsfahrplan.
Der Sanierungsfahrplan ist für Eigentümer von Bestandsgebäuden für Erlangen ein wichtiges Planungsinstrument. Wer ein älteres Haus besitzt und die Energieeffizienz verbessern möchte, steht vor der Frage: Wo anfangen? Dach, Fenster, Heizung, Fassade? Der individuelle Sanierungsfahrplan (iSFP) beantwortet genau diese Frage. Er zeigt in einem strukturierten Dokument, welche Maßnahmen in welcher Reihenfolge technisch und wirtschaftlich sinnvoll sind und wie sie aufeinander aufbauen.
Was ist ein individueller Sanierungsfahrplan?
Der iSFP ist ein vom Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) entwickeltes Beratungsformat. Er ersetzt keine Baugenehmigung und ist kein Gutachten im rechtlichen Sinne, sondern ein Fahrplan für die schrittweise energetische Verbesserung eines Gebäudes über einen Zeitraum von 15 bis 20 Jahren.
Der iSFP gliedert sich in zwei Teile:
- Teil 1: Bestandsaufnahme. Der Energieberater erfasst den aktuellen Zustand des Gebäudes: Baujahr, Gebäudehülle (Dach, Wände, Kellerdecke, Fenster), Heizungsanlage, Lüftung, vorhandene Dämmung. Daraus ergibt sich der energetische Ist-Zustand, dargestellt als Farbskala von Grün (effizient) bis Rot (hoher Verbrauch).
- Teil 2: Maßnahmenfahrplan. Der Berater empfiehlt konkrete Sanierungsschritte in sinnvoller Reihenfolge. Jede Maßnahme wird einzeln beschrieben: Was wird gemacht, welche Energieeinsparung ist zu erwarten, welche Kosten fallen voraussichtlich an, welche Fördermöglichkeiten gibt es.
Der Fahrplan berücksichtigt, dass nicht alle Maßnahmen gleichzeitig umgesetzt werden. Er plant Etappen: Zum Beispiel zuerst die Kellerdeckendämmung (geringer Aufwand, sofortige Wirkung), dann die Fenster (wenn ohnehin ein Austausch ansteht), später die Fassadendämmung (hoher Aufwand, größte Wirkung), zuletzt die Heizung (wenn die Hülle saniert ist, reicht eine kleinere Anlage).
Auf unserer Seite zur Sanierungsberatung erfahren Sie, wie wir den baulichen Zustand Ihres Gebäudes beurteilen.
Wer erstellt den Sanierungsfahrplan?
Den iSFP dürfen nur Energieberater erstellen, die in der Energieeffizienz-Expertenliste für Förderprogramme des Bundes gelistet sind (energie-effizienz-experten.de). Das sind in der Regel Architekten, Ingenieure oder Handwerksmeister mit Zusatzqualifikation in Energieberatung.
Ein Bausachverständiger erstellt keinen iSFP. Die Aufgaben sind klar getrennt: Der Energieberater plant die energetische Optimierung und berechnet Einsparpotenziale. Der Bausachverständige bewertet den baulichen Zustand, erkennt Schäden und Mängel und beurteilt die Substanz. Beide Perspektiven ergänzen sich. Bevor Sie einen Sanierungsfahrplan erstellen lassen, ist es oft sinnvoll, zunächst den baulichen Zustand durch einen Sachverständigen prüfen zu lassen. Denn ein Sanierungsfahrplan nützt wenig, wenn unerkannte Feuchtigkeitsschäden, Risse im Mauerwerk oder Schimmelbefall vorliegen. Diese Probleme müssen zuerst behoben werden.
Ein Gutachten zum Gebäudezustand kann die fachliche Grundlage für den anschließenden Sanierungsfahrplan schaffen.
Was kostet ein Sanierungsfahrplan?
Die Kosten für einen iSFP bei Ein- und Zweifamilienhäusern liegen typischerweise zwischen 1.500 und 2.500 Euro. Für Mehrfamilienhäuser mit mehr als drei Wohneinheiten rechnen Sie mit 1.700 bis 3.000 Euro.
Der Bund fördert die Erstellung über die Bundesförderung für Energieberatung für Wohngebäude (BEW). Der Zuschuss beträgt 80 Prozent des Beraterhonorars, maximal 1.300 Euro für Ein- und Zweifamilienhäuser und maximal 1.700 Euro für Mehrfamilienhäuser. Der Eigenanteil liegt damit oft bei nur wenigen Hundert Euro.
Sprechen Sie uns an, wenn Sie vor einer Sanierung zunächst den baulichen Zustand klären möchten.
Welchen Vorteil bringt der iSFP bei der Förderung?
Wer Einzelmaßnahmen aus einem vorliegenden iSFP umsetzt, erhält einen Förderbonus von 5 Prozentpunkten auf den Fördersatz der Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG). Ohne iSFP beträgt der Fördersatz für Einzelmaßnahmen an der Gebäudehülle 15 Prozent. Mit iSFP sind es 20 Prozent.
Bei einer Fassadendämmung, die beispielsweise 40.000 Euro kostet, bedeutet das einen zusätzlichen Zuschuss von 2.000 Euro. Bei mehreren Maßnahmen über die Jahre summiert sich der iSFP-Bonus erheblich. Der Sanierungsfahrplan rechnet sich also in der Regel allein durch den Förderbonus.
Sanierungsfahrplan und Gebäudezustand: Was kommt zuerst?
In der Praxis erleben wir häufig, dass Eigentümer einen Sanierungsfahrplan erstellen lassen, ohne vorher den baulichen Zustand gründlich zu prüfen. Das kann zu Fehlentscheidungen führen.
Ein Beispiel: Der iSFP empfiehlt eine Fassadendämmung. Die Fassade hat aber unerkannte Risse, durch die Feuchtigkeit ins Mauerwerk eindringt. Die Dämmung wird aufgebracht, die Feuchtigkeit dahinter kann nicht mehr austrocknen. Innerhalb weniger Jahre bildet sich Schimmel hinter der Dämmung. Die gesamte Maßnahme muss rückgebaut werden.
Deshalb empfehlen wir: Erst den Zustand prüfen, dann den Fahrplan erstellen. Eine Thermografie kann Wärmebrücken und Feuchtestellen sichtbar machen, die bei der Planung der Dämmung berücksichtigt werden müssen.
Typische Gebäude für Erlangen im Sanierungsfahrplan
Die Gebäudestruktur für Erlangen umfasst sehr unterschiedliche Bauepochen, die jeweils eigene Sanierungsschwerpunkte haben.
Die barocken Hugenottenhäuser der Erlanger Neustadt aus dem späten 17. Jahrhundert sind häufig denkmalgeschützt. Hier ist ein Standard-iSFP nur eingeschränkt anwendbar, weil viele Maßnahmen wie Außendämmung, Fensterwechsel oder Dachaufbau genehmigungspflichtig sind oder nicht erlaubt werden. Für Denkmaleigentümer kann dennoch ein angepasster Fahrplan sinnvoll sein, der die zulässigen Maßnahmen in die richtige Reihenfolge bringt.
Die Geschosswohnungsbauten in Büchenbach aus den 1960er bis 1980er Jahren sind die klassischen Kandidaten für einen iSFP. Ungedämmte Fassaden, einfach verglaste Fenster, veraltete Heizungsanlagen. Hier lässt sich mit einem systematischen Fahrplan über 10 bis 15 Jahre der Energieverbrauch um 60 bis 80 Prozent senken.
Die Einfamilienhäuser der 1970er und 1980er Jahre in den Wohngebieten im Süden und Westen der Stadt haben ähnliche Ausgangssituationen: wenig oder keine Dämmung, alte Fenster, überdimensionierte Heizungen. Der iSFP zeigt hier besonders deutlich, wie die Maßnahmen aufeinander aufbauen sollten.
Auch die Siemens-Werkssiedlungen im Norden mit Geschosswohnungsbau der 1950er bis 1970er Jahre profitieren vom Sanierungsfahrplan. Die serielle Bauweise ermöglicht oft standardisierte Lösungen, die sich auf mehrere Gebäude übertragen lassen.
Häufige Fragen
Ist der Sanierungsfahrplan Pflicht?
Nein. Der iSFP ist freiwillig. Er wird aber für den Förderbonus von 5 Prozent bei Einzelmaßnahmen benötigt. Außerdem verlangt das Gebäudeenergiegesetz (GEG) bei bestimmten Anlässen eine Energieberatung, die der iSFP abdeckt.
Wie lange ist der iSFP gültig?
Der iSFP hat keine formale Gültigkeitsdauer. Für den Förderbonus bei Einzelmaßnahmen wird er anerkannt, solange er inhaltlich noch zum aktuellen Gebäudezustand passt. Nach größeren Veränderungen am Gebäude sollte er aktualisiert werden.
Kann ich auch ohne iSFP sanieren?
Ja. Der iSFP ist keine Voraussetzung für eine Sanierung. Ohne iSFP entfällt aber der 5-Prozent-Förderbonus bei Einzelmaßnahmen der BEG.
Was ist der Unterschied zwischen iSFP und Energieausweis?
Der Energieausweis dokumentiert den energetischen Ist-Zustand und ist bei Verkauf oder Neuvermietung Pflicht. Der iSFP geht darüber hinaus und empfiehlt konkrete Sanierungsmaßnahmen mit Reihenfolge und Kostenschätzung.
Erstellt ein Bausachverständiger den iSFP?
Nein. Den iSFP erstellen zugelassene Energieberater. Ein Bausachverständiger bewertet den baulichen Zustand und erkennt Mängel und Schäden. Beide Leistungen ergänzen sich, sind aber unterschiedliche Fachgebiete.
Lohnt sich der iSFP für ein kleines Einfamilienhaus?
Ja, gerade bei kleinen Häusern mit begrenztem Budget ist die systematische Reihenfolge wichtig. Der Eigenanteil nach Förderung beträgt oft nur wenige Hundert Euro, und der Förderbonus bei der Umsetzung übersteigt diese Kosten in der Regel deutlich.
Kann ich Maßnahmen aus dem iSFP in anderer Reihenfolge umsetzen?
Grundsätzlich ja. Der iSFP ist eine Empfehlung, keine Verpflichtung. Allerdings kann eine abweichende Reihenfolge technische Nachteile haben. Wird etwa die Heizung vor der Dämmung getauscht, ist sie nach der Dämmung überdimensioniert und arbeitet ineffizient.
Rufen Sie uns an unter 0921 163 932 51 oder nutzen Sie unser Kontaktformular. Bausachverständiger Jörg Aichinger, DEKRA-zertifiziert, prüft den baulichen Zustand Ihres Gebäudes für Erlangen und die Region Mittelfranken, bevor Sie in die Sanierungsplanung einsteigen.